2002 Gastkommentar: Das Transatlantische Yin Yang

Der Autor ist Leiter der Amerika- Abteilung im Außenministerium. Viele sehen heute die Partnerschaft zwischen den USA und Europa am Ende. Glaubt man drüben, daß die EU im Kampf gegen den Terror außer bösen Worten nichts beizusteuern hat, so huldigt die USA in hiesiger Sicht blankem Unilateralismus und mißachtet Europas vielfältige Leistungen. Ein Zufallsgriff ins Lexikon landet bei Yin Yang, dem uralten Begriff der chinesischen Philosophie für dunkel und hell. Dem Yang entspricht das Männliche, der Himmel, die Stärke; dem Yin hingegen das Weibliche, die Erde und die Nachgiebigkeit. „Beide sind einander ergänzende und bedingende Prinzipien“. Fügt man dem Yang

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1999 Gastkommentar: Die EU auf dem Weg zu „analoger“ Politik

Der Autor ist Österreichs Botschafter in Irland. Ein von Österreich veranstaltetes EU-Seminar in Dublin zeigt, daß der Eindruck zunehmender Schwerfälligkeit und „Kompliziertheit“ der Europäischen Union nur die formale Kehrseite einer sehr positiven Entwicklung inhaltlicher Art ist. Tatsächlich kann man in der Europäischen Integration etwas völlig Neues beobachten, den Übergang von klassischer, „digitaler“ (Schritt-für-Schritt)- Politik zu einer „analogen“ Politik zahlloser parallel und kontinuierlich ablaufender Entscheidungsprozesse. Drei Elemente sind dabei wesentlich: Die nicht mehr zu überblickende Zahl aktiver „Mitspieler“. Auch die weit über tausend in Brüssel präsenten Lobbies wirtschaftlicher, sozialer, regionaler, ja auch religiöser Interessensvertretungen wirken nämlich – vor allen über den

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2018: Populismus und Eliten-Arroganz

Artikel von Michael Breisky im Magazin für Politik, Wirtschaft und Lebensstil FRANK & FREI, Wien, Nr. 06/18, September 2018 Populismus und Eliten-Arroganz Die alten Volksparteien stecken in der Krise. Zulange haben sie die Interessen vieler Bürger ignoriert und damit ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Davon profitieren populistische Bewegungen, wie zuletzt etwa in Italien. Eine Analyse dieses politischen Umbruchs. Klagen über eine Bedrohung der Demokratie durch zunehmenden Populismus sind gefährliche Risse im Politik-Verständnis. Denn was von den Eliten in Politik und Medien als eine „vernünftige“ Weltsicht dargestellt wird – aufgebaut auf den unantastbaren (weil unfehlbaren?) Werten der Demokratie, der Marktwirtschaft, der Toleranz und

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2014: Von Südtirol in das blutende Syrien

Von Südtirol in das blutende Syrien Die Option auf radikale Selbstbestimmung als Friedenschance für ein vom Bürgerkrieg schwer heimgesuchtes Land. Gastkommentar von Michael Breisky in Die Presse, Wien, 27.2.2ß14 Die allgemeine Ratlosigkeit zu Syrien bringt mich auf ein Thema, zu dem ich in den 1990er-Jahren mit Blick auf Nordirland und Bosnien einiges publiziert habe: die Option auf Selbstbestimmung als Friedenschance. Mein Ausgangspunkt war ein Gedankenexperiment, das ich zur Selbstbestimmungsdebatte in Südtirol entwickelt hatte. Von der Prozedur her waren die nationalen, kantonalen und dörflichen Volksabstimmungen beispielgebend, die in den 1970er-Jahren zur Entstehung des Schweizer Kantons Jura geführt haben. Mein Szenario sah

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2014: Sparen bei den Botschafts-Residenzen?

Sparen bei den Residenzen? Gastkommentar von Michael Breisky in Die Presse, Wien, 6.5.2014 Die Budgetnot zieht den Blick des Außenministers auf die Botschaftersitze im Ausland. Wie groß ist dort das Sparpotenzial? Peter Ustinov sah Botschafter als Oberkellner, die bei Tisch dabeisitzen dürfen. Ein gutes Bonmot, doch verschweigt es, dass auch die Frau des Botschafters bei Tisch sitzt, und zwar direkt neben Ministern und sonstigen Potentaten – eine Gesprächsmöglichkeit, für die nicht nur Lobbyisten sehr viel Bares zahlen würden. Damit ist schon das wichtigste zur Kontaktpflege des Diplomaten gesagt: Er muss versuchen, sich in den Eliten des Gaststaates rasch zu integrieren.

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2011: Leopold Kohr und die Grenzen der Komplexität

MANAGERismus – Denkzettel Nr. 16 https://www.managerismus.com/themen/groesse-und-komplexitaet/denkzettel-nr-16 Hier die etwas überarbeitete Version eines Essays, das zuvor unter dem Titel „Klein ist wundervoll“ in der Februar-Ausgabe 2011 des ROTARY-Magazins erschienen ist.   Wer Finanzkrisen, Wutbürger und Fukushima als Symptom einer tiefen Systemkrise deutet und nicht an ein „Too Big To Fail“ glauben kann, der wird sich gerne an Leopold Kohr erinnern. Tatsächlich hat der 1909 im Salzburgischen geborene Philosoph und Wirtschaftsprofessor, der 1983 für die Begründung der Small is beautiful-Bewegung den Alternativen Nobelpreis erhielt, ein Weltbild entwickelt, das auch im 21. Jahrhundert volle Geltung beanspruchen kann. Drei Grundwahrheiten Stets glasklar und mit

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